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Interview

Anette Weiss Gründerin der geld.wert finanzbildung GmBH

Riester-Rente ist auch in Zukunft ein absolut passendes Mittel zur Altersvorsorge

Wer im Ruhestand genauso leben möchte wie während des Arbeitslebens, muss sich privat ein Rentenpolster aufbauen. Die Versorgungslücke ist bei Frauen in der Regel am größten, da sie oft schlechter bezahlt werden als Männer und Erwerbsausfälle wegen Kindererziehung haben. Für Geringverdiener und Eltern ist die Riester-Rente durch die staatlichen Zulagen oft eine gute Lösung, um ihre Rentenlücke zu verkleinern.

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Für viele Frauen ist private Altersvorsorge unentbehrlich, weil sie im Laufe ihres Arbeitslebens oft nicht ausreichend gesetzliche Rentenansprüche sammeln. Die Wahl fällt aufgrund der Kinderzulagen häufig auf die Riester-Rente. Leistet diese Altersvorsorge Ihrer Meinung nach wirklich einen sinnvollen und ergänzenden Beitrag zur gesetzlichen Rente?

Anette Weiss: Auf jeden Fall. Wir müssen uns endgültig von der Vorstellung verabschieden, dass die gesetzliche Rente in irgendeiner Form dazu geeignet ist, den meisten von uns ein sorgloses Leben im Alter zu ermöglichen. Worauf wir sicher vertrauen können und wofür ich für meinen Teil sehr dankbar bin, ist, dass keiner in unserem Land verhungern oder verdursten muss. Aber selbst Angestellte, die tatsächlich zwei Rentenpunkte pro Jahr erwirtschaften, also ein Jahresgehalt von 74.260 Euro brutto bekommen, werden ohne weitere private Vorsorge ihren Lebensstandard nicht halten können.

Forderungen von Gegnern der privaten Altersvorsorge helfen leider nicht den Status Quo der gesetzlichen Rente zu ändern: Sie wird für künftige Rentner nur der finanzielle Grundstock sein können, der vor Obdachlosigkeit und Hunger schützt. Die gesetzliche Rentenversicherung ist im Ursprung schon falsch konzipiert worden. So lange weder der Mut noch die politische Weisheit gefunden wird, um grundlegende Fehler zu korrigieren, muss sich jeder Mensch privat vor Altersarmut schützen. Dafür ist die Riester-Rente meiner Meinung nach ein absolut passendes Mittel.

Die Kritik an der Riester-Rente sollte sich meines Erachtens deshalb nicht gegen den Staat richten, sondern gegen diejenigen Riester-Anbieter, die über unnötig hohe Gebühren und Kostenstrukturen leichte Gewinne einfahren wollen.

Ist die Riester-Rente eine Vorsorge-Form, die vor allem Frauen anspricht beziehungsweise ansprechen soll?

Anette Weiss: Sie ist in meinen Augen eine Vorsorge-Form, die vor allem Geringverdiener und Eltern ansprechen soll. Da es heute leider immer noch so ist, dass eher Frauen und Mütter diejenigen sind, die – sei es durch die Berufswahl oder durch Teilzeitarbeit – keine großen Berufseinkommen erzielen, werden sie in erster Linie durch die Riester-Rente angesprochen.

Sie unterstützen Menschen dabei, ihre Finanzplanung selbst in die Hand zu nehmen. Wem würden Sie denn die Riester-Rente empfehlen?

Anette Weiss: Ich rate jedem, der einen Zulagenanspruch hat, sich mit der Riester-Rente und anderen Altersvorsorgeformen zu beschäftigen. Nur so kann jeder Sparer herausfinden, was sich für ihn individuell rentiert. Dabei ist es hilfreich, über etwas Finanzkompetenz zu verfügen. Wem die fehlt, sollte sich zumindest ein wenig einlesen, um sich eine eigene Meinung zu den verschiedenen Angeboten bilden zu können. Eine Beratung durch einen Profi kann auch helfen, aber niemand sollte sich allein auf eine Beratung verlassen – egal, ob es sich um einen Mitarbeiter einer Bank, eine Versicherung oder jemand Selbstständigen oder Unabhängigen handelt.

Den größten Fehler, den man machen kann, ist sich aufgrund negativer Berichterstattung gar nicht erst ernsthaft über Produkte wie die Riester-Rente zu informieren. Für junge Menschen, die am Anfang ihres Berufsweges stehen und noch gar nicht wissen können, ob und wie viele Kinder sie bekommen und wie sich ihre berufliche Karriere entwickeln wird, halte ich den Abschluss eines Riester-Vertrages sogar für obligatorisch. Denn umso länger das gut gewählte Vorsorgeprodukt laufen kann, desto höher wird die daraus resultierende Riester-Rente ausfallen.

Kontroverse Aussagen von Politikern verunsichern viele Sparer*innen. Das spürt man besonders in Bezug auf die Riester-Rente. Sollten Vorsorgeinteressierte Ihrer Meinung nach der privaten Altersvorsorge wieder mehr vertrauen?

Anette Weiss: Vorsorgeinteressierte brauchen kein Vertrauen, sie brauchen eigene finanzielle Entscheidungskompetenz. Wenn ich mir anschaue, dass sogar ein Großteil der Politiker nicht verstanden hat, wie die gesetzliche Rente oder auch die Riester-Rente funktioniert, ist es sogar fahrlässig, davon zu sprechen, dass Vorsorgeinteressierte wieder mehr vertrauen sollten – wem denn? Der Einäugige sollte nicht des Blinden König sein, schon gar nicht bei der Altersvorsorge. Meine Faustregel: Wer ausreichend versorgt sein möchte, muss selbst prüfen und beurteilen, was für ihn individuell passt.

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