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Interview

Johannes Vogel Generalsekretär der FTP Nordrhein-Westfalen

Die Riester-Rente müsste allen Menschen offenstehen

Die gesetzliche Rente leidet laut Johannes Vogel, Generalsektetär der FDP in NRW, unter der Großen Koalition. Ihm zufolge verteilt der Staat derzeit großzügige Rentengeschenke, die er sich langfristig nicht leisten kann. Einen umso größeren Stellenwert gewinnt in seinen Augen die private Vorsorge. Modelle wie die Riester-Rente müssten deshalb noch flexibler und besser gemacht werden.

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Die Riester-Rente feiert 2017 ihren 15. Geburtstag. Doch anstelle von Glückwünschen hagelt es hauptsächlich Kritik. Ist die Riester-Rente selbst schuld daran, dass immer weniger Menschen mit ihr vorsorgen möchten?

Johannes Vogel: Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft, in der jeder über seine berufliche Laufbahn selbst entscheidet. Die Digitalisierung schafft noch mehr Möglichkeiten. Deswegen sollten auch die Optionen zur Altersvorsorge vielfältig und individuell zu gestalten sein. Uns ist es wichtig, dass es mehrere passgenaue und stabile Formen gibt, unter denen man gemäß seiner Erwerbsbiographie auswählen kann. Ganz klar müssen wir die private Vorsorge als eine dieser Vorsorgeformen besser machen, beispielsweise durch mehr Verbraucherfreundlichkeit und Vergleichbarkeit der Produkte.

Im speziellen Fall der Riester-Rente wäre es ein Gebot der Fairness, dass die Vorteile der geförderten Altersvorsorge allen zugutekommen. Von der Riester-Förderung sollen auch die profitieren können, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind. Damit meine ich auch Selbstständige und Beschäftigte, die Mitglieder in berufsständischen Versorgungswerken sind. Dies würde auch den flexiblen Wechsel zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbstständigkeit oder gar die Kombination von beidem erleichtern.

Sie stehen für Generationengerechtigkeit und machen sich für eine Rente stark, die auch für heute junge Menschen später ausreichen wird. Hat das Riester-Konzept in Ihren Augen Potenzial, wieder zu einer attraktiven Altersvorsorge zu werden?

Johannes Vogel: Die gesamte Rentenpolitik der Großen Koalition ist zukunftsvergessen und passt nicht zur gesellschaftlichen Realität. Wir befinden wir uns am Vorabend größter demographischer Umwälzungen und die Arbeitswelt ändert sich. Die Große Koalition aber nimmt notwendige Reformen zurück und verteilt Milliarden an Rentengeschenken. In der Folge hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles für die gesetzliche Rente einen Beitrag von 25 Prozent angekündigt. Das ist verantwortungsloses Harakiri. Wie sollen gerade junge Menschen das bezahlen? Wir sehen an vielen Stellen Handlungsbedarf. So wollen wir die gesetzliche Rente zum Beispiel enkelfit machen, indem wir die demographischen Dämpfungsfaktoren wirken lassen.

Zudem brauchen wir endlich einen flexiblen Renteneintritt, damit jeder selbst entscheiden kann, wann er in Rente geht. Wer später geht, bekommt mehr, wer früher geht, bekommt weniger Rente. Und die private Vorsorge inklusive Riester-Rente dürfen wir nicht abschaffen, sondern müssen sie wie beschrieben besser machen. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Die Möglichkeiten zum Wechsel zwischen Selbstständigkeit und Anstellung werden sich mehren. Die Öffnung der Riester-Rente für alle Arbeitsverhältnisse wäre deshalb ein wichtiger Schritt, um sie in Zukunft attraktiver zu machen.

Wie stehen Sie zu der staatlichen Förderung der Riester-Rente? Sind die Fördermilliarden fehlgeleitet und könnten an anderer Stelle besser für den Rentenaufbau nachfolgender Generationen eingesetzt werden?

Johannes Vogel: Wenn eine Person ihren Lebensstandard im Alter erhalten will, ist eine freiwillige private Altersvorsorge unverzichtbar, weil immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentnern gegenüberstehen. Wir Freien Demokraten sind davon überzeugt, dass Kapitaldeckung ein wichtiger Bestandteil eines breit aufgestellten Alterssicherungssystems sein muss. Die Förderung der Riester-Rente ist also sinnvoll, einfach weil kapitalgedeckte Renten sinnvoll und nötig sind. Es ist hier also vielmehr nötig zu prüfen, ob die Frei- und Förderbeträge in der staatlich geförderten Altersvorsorge vor dem Hintergrund der Lohnentwicklung der vergangenen Jahre nicht noch weiter angepasst und künftig dynamisiert werden müssen.

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