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Interview

Prof. Dr. Christian Scholz von Die-Generation-Z

Die Politik lässt die junge Generation links liegen

Die Riester-Rente und weitere Angebote zur privaten Vorsorge sprechen junge Menschen nicht an, so der Generationenforscher Prof. Dr. Christian Scholz. Sie passen nicht in die immer flexibler werdende Arbeitswelt und können daher von der jungen Generation nicht sinnvoll für die Altersvorsorge genutzt werden.

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In den Medien ist aktuell wieder viel über junge Menschen zu lesen, die sich zu wenig für ihre Altersvorsorge interessieren. Sind junge Menschen heutzutage wirklich zu achtlos, wenn es um ihre Rente geht?

Prof. Dr. Christian Scholz: Die Generation Z – also alle Menschen, die ab Anfang der 1990er Jahre geboren wurden – ist ganz und gar nicht achtlos, nicht wenn es um ihre Rente geht und auch sonst nicht. Sie wird vielmehr von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und vor allem von der Politik ignoriert. Das sieht man sehr schön an den Wahlprogrammen, die ziemlich konsequent die Generation Z als spezielle Zielgruppe ausblenden. Dadurch hat sich in der jungen Generation eine ganz nüchterne Reaktion breit gemacht: „Wenn ihr uns in der gesamten Planung nicht mitbedenkt und wir in der Altersvorsorge nicht vorkommen, dann machen wir einfach nicht mit. Warum sollen wir Produkte nutzen, die einfach nicht zu uns passen?“ Also: Die Generation Z ist nicht achtlos, sondern eher links liegen gelassen worden.

Es herrscht oft die Meinung: „Wer seine finanzielle Zukunft nicht in Angriff nimmt, macht auch nichts falsch.“ Befinden sich junge Menschen Ihrer Ansicht nach in einer Art Altersvorsorge-Angststarre?

Prof. Dr. Christian Scholz: Das kann ich keinesfalls bestätigen. Wer heute in seinen Zwanzigern ist, fühlt sich definitiv nicht durch eine Angststarre aufgehalten. Die jungen Menschen sehen eine Altersvorsorgeumgebung, die überhaupt nicht auf ihre Lebensrealität zugeschnitten ist und auch dort nicht vorkommt.

Und es passt zudem alles nicht zusammen: Einerseits wandeln sich die Arbeitswelt und die Anforderungen, um in der Zukunft langfristig erfolgreich zu sein. Andererseits bleiben die Rentensysteme starr und unflexibel. Angst, etwas falsch zu machen, lähmt junge Menschen nicht bei der Altersvorsorge. Ihr Nichtstun ist vielmehr die realistische Einschätzung, dass die Vorsorgeformen, die existieren, ihnen womöglich gar nichts bringen.

Versicherungen für die Altersvorsorge wie die Riester-Rente waren vor einigen Jahren ein echter Kassenschlager. Die jungen Generationen lassen sie jedoch meist links liegen. Welche Ursache vermuten Sie dahinter?

Prof. Dr. Christian Scholz: Die Generation Z ist realistisch und sieht, dass ihr klare Informationen fehlen. Sie möchte wissen, welcher Output zu erwarten ist, wenn sie Zahl X investiert. Die Medien zeigen jedoch, dass gerade Angebote wie die Riester-Rente nicht transparent genug sind, dass versteckte Kosten existieren und sich in Einzelfällen wider Erwarten nicht lohnt.

Untersuchungen von Verhaltensforschern haben auch gezeigt, dass die Generation Z Unsicherheit vermeidet. Die jungen Menschen denken: Soll ich lieber heute 100 Euro für etwas ausgeben, das mich glücklich macht, oder im Rentenalter vielleicht 120 Euro auf der hohen Kante haben? Sie entscheiden sich für ersteres.

Was muss sich ändern, damit sich die Generation Z für ihre Rente interessiert?

Prof. Dr. Christian Scholz: Die Generation Z interessiert sich sehr wohl für ihre Rente. Doch die Rente beziehungsweise unser Rentensystem interessiert sich nicht für die Generation Z – und genau das muss sich ändern. Das grundsätzliche Renteninteresse sieht man etwa daran, dass viele junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Sie ist für die jungen Menschen transparenter als die Riester-Rente.

Ich könnte mir vorstellen, dass junge Menschen sehr gut auf ein privates Altersvorsorgeangebot reagieren würden, das ähnlich wie eine Bestellung bei Amazon funktioniert: Die eingezahlten Beiträge inklusive Gebühren sollten ebenso ersichtlich sein wie die Prognose beziehungsweise das gesicherte Minimum für die monatliche Netto-Altersrente beim Renteneintritt – also unkompliziert und ehrlich. Wer möchte schon eine Altersvorsorge, bei der eventuell keine Zinsen auflaufen und im schlechtesten Fall nicht einmal die Einlagen übrigbleiben? Es müssen alle Risiken und Chancen transparent gemacht werden.

Welche Aufgabe sehen Sie dabei in der Politik?

Prof. Dr. Christian Scholz: Die Politik muss zuallererst die Belange und Bedürfnisse von jungen Menschen wahr- und ernst nehmen. Das könnte bereits dadurch verbessert werden, dass die Altersstruktur im Bundestag durchlässiger wird für jüngere Kandidaten. Dann sollte die Jugend gezielt mit Angeboten angesprochen werden, die zu ihnen passen: In der Werbung funktioniert zielgruppengerechte Ansprache problemlos, aber wenn es um die Altersvorsorge geht, wendet sich die Politik an ihre Stammwähler – also die Rentner und Fast-Rentner. Und: Die Politik sollte sich endlich bereit erklären, in einen ernsthaften Dialog mit der Generation Z über die Arbeitswelt der Zukunft einzutreten, zu der dann auch Ruhestand und Altersvorsorge gehören.

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