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Interview

Joachim Haid von der Initiative pro Riester

Die pauschale Kritik an der Riester-Rente entspricht oft nicht den Fakten

Für die Riester-Rente hagelt es seit einiger Zeit Kritik. Dabei werden die Fakten oftmals außer Acht gelassen, betont Joachim Haid, Mitgründer der Initiative pro Riester. Bei Sparern sorgen die Diskussionen um die staatlich geförderte Altersvorsorge und die sprunghafte Meinung vieler Politiker für Unsicherheit. Darum setzt sich pro Riester für einen sachlichen und faktenorientieren Umgang mit der Riester-Rente ein.

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Herr Haid, die Initiative pro Riester setzt sich für ein Ende pauschaler und oftmals wenig objektiver Kritik an der Riester-Rente ein. Warum gibt es überhaupt so viel Kritik an dieser Form der Altersvorsorge?

Joachim Haid: Das ist eine gute Frage, die ich mir auch oft stelle. Da sich seit vielen Jahren die primären Kritikpunkte – die Riester-Rente rentiert sich nicht, ist zu teuer und man muss über 100 Jahre alt werden, damit sie sich lohnt – regelmäßig wiederholen, habe ich den Eindruck, dass hier sehr viel „Copy- und Paste-Mentalität“ vorhanden ist. Irgendjemand hat mit zweifelhafter Vorgehensweise und diskussionswürdigem Fachwissen begonnen, entsprechende Behauptungen in den Raum zu stellen und andere haben dies eins zu eins übernommen und tragen es weiter, ohne einmal konkret zu hinterfragen, was an den Kritikpunkten dran ist. Hätten sie das getan, würden sie sehr schnell erkennen, dass die pauschalen Behauptungen nicht stimmen. Genau hier ist es eine der primären Aufgaben von pro Riester, Aufklärung zu betreiben und sich als Diskussionspartner, der Fakten liefert, einzubringen.

Wie kann die Riester-Rente Ihrer Meinung nach aus ihrem aktuellen Tief herausgeführt werden, damit sie wieder zu einer lohnenden Altersvorsorgeform wird? Was müsste sich ändern?

Joachim Haid: Zunächst einmal sollten wir klären, ob die Riester-Rente überhaupt in einem Tief steckt und wieso das der Fall sein sollte. Mir ist kein Produkt bekannt, dass 12 bis 13 Jahre nach der Einführung bereits von etwa 50 Prozent der Zielgruppe genutzt wird. Sollte mit „Tief“ gemeint sein, dass derzeit weniger neue Verträge zustande kommen als in der Vergangenheit, dann hat dies zum einen damit zu tun, dass eben ein gewisser Grad von Marktsättigung erreicht ist. Zum anderen tun viele Medien, Verbraucherschützer und einige Politiker durch pauschalisierte und fehlerhafte Aussagen alles dafür, dass die Bürger verunsichert sind und die Berater erst einmal gegen diese Falschdarstellungen argumentieren müssen.

Dazu kommt, dass sogar viele, die bereits Vorsorge getroffen haben, so stark verunsichert sind, dass sie ihre Verträge beitragsfrei stellen. Das ist so ziemlich das Schlimmste was ein Politiker beim Thema private Altersvorsorge erreichen kann: Menschen, die bereits vorsorgen, so zu verunsichern, dass sie damit aufhören. Auch hier müssen die Berater mit zusätzlichem Aufwand wieder tätigt werden und mit den Menschen erneut ins Gespräch gehen. Dies sind Arbeiten, die der Vermittler nicht vergütet bekommt und die unnötig wären, wenn fachlich und sachlich korrekt über die Riester-Rente berichtet würde. Da müssen wir uns doch auch nicht wundern, wenn leider viele Berater immer weniger Lust haben, dieses Thema überhaupt anzusprechen.

Die Diskussion und die Kritik an der Riester-Rente müssen versachlicht werden und gerade die Politiker müssen ihr sprunghaftes Verhalten ändern und aufhören, gestern vom Scheitern der Riester-Rente zu sprechen und morgen davon, dass die Riester-Rente ein Erfolgsmodell ist. Was soll man denn da als Laie noch glauben? Die Initiative pro Riester hat im politischen Berlin einige Anregungen zur Verbesserung der Riester-Rente gemacht. Wir freuen uns, dass Teile davon Anfang 2018 in Kraft treten wie die Erhöhung der Grundzulage. Einige weitere wichtige Punkte müssen aber noch umgesetzt werden.

Wie stehen Sie zu höheren Freibeträgen bei der Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter? Können diese in Kombination mit höheren Zulagen die staatlich geförderte Vorsorgeform für einen Großteil der Sparer wieder attraktiver machen?

Joachim Haid: Eine der erwähnten Verbesserungen der Riester-Rente ist, dass ab 2018 ein Freibetrag bezüglich der Anrechnung auf die Grundsicherung eingeführt wird. Auch dieses Thema war einer der Punkte, die wir in Berlin vorgebracht haben. Die aktuelle Umsetzung geht uns aber noch nicht weit genug. Wir fordern, dass jegliche vom Staat geförderte Altersvorsorge komplett von der Anrechnung auf die Grundsicherung freigestellt wird.

Rein sachlich ist und war die Anrechnung auf die Grundsicherung richtig, psychologisch ist das aber ein sehr ungünstiges Thema. Wir wollen mit der gänzlichen Freistellung das Signal setzen: Private Altersvorsorge lohnt sich. Im Übrigen erstaunt es mich immer, dass allein zur Riester-Rente das Thema hochkocht. Denn das ist ja kein exklusives Thema dieser Vorsorgeform. Oder kennen Sie eine legale Anlage, die im Alter nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden würde?

Wo sehen Sie die Riester-Rente in zehn Jahren? Gibt es für Vorsorgeinteressierte überhaupt eine geeignete Alternative dazu?

Joachim Haid: Im aktuellen politischen Umfeld zehn Jahre in die Zukunft zu prognostizieren ist sehr schwierig. Ob die Riester-Rente in zehn Jahren durch ein neues Modell ersetzt wird, wäre reine Spekulation. Persönlich gehe ich nicht davon aus. Sehr sicher bin ich mir, dass die Personen, die bereits Riestern, dies bis zum Rentenbeginn mit Förderung auch weiter machen können. Bedenkt man, wofür die Riester-Rente eingeführt wurde, – für den privaten und geförderten Ausgleich der vorangegangenen Rentenreform (Reduktion des Rentenniveaus von 67 bis 70 Prozent) – so gibt es keine Alternative zur Riester-Rente. Die Riester-Rente ist aber auch keine zusätzliche Altersvorsorge, sondern sie ist dafür da, eben genau diese Rentenreform durch private Altersvorsorge wieder ausgleichen zu können. Wer das nicht macht, muss sich nicht wundern, wenn sein Rentenniveau niedriger ist, als es sein müsste.

Die Riester-Rente wurde rund um den Bundestagswahlkampf zum Teil unterschiedlich dargestellt. Einige Parteien stehen hinter der staatlich geförderten Vorsorge, andere wollen sie nicht mehr. Wie stehen Sie dazu, dass mit der finanziellen Absicherung im Alter Wahlkampf gemacht wird?

Joachim Haid: Meiner Meinung nach, sollte das Thema Altersvorsorge nie Bestandteil eines Wahlkampfes sein. Das Thema ist einfach viel zu wichtig, um es für aufsehenerregende Parolen im Wahlkampf zu missbrauchen.

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